Burschis Raus – Aktion gegen Rechts

Wir haben gestern, am Mitwoch den 20.05.2015, die Ehrung des deutschnationalen Burschenschafters Prof. Werner Kuich gestört. Dabei sind wir auch auf Martin Graf und andere junge und alte Herren mit Deckel und Band gestoßen. Zusammen mit Aktivist/inn/en vom Roten Vektor Mathematik und anderen Antifaschist/inn/en haben wir ein Transparent gemalt, Sprüche gerufen und klargestellt dass Burschenschafter, Rassist/inn/en und Rechtsradikale bei uns im Gebäude nicht willkommen ist.

Was haben wir gemacht? Wir haben eher durch Zufall erfahren dass bei der Verleihung der Goldenen Ehrendiplome durch die Fakultät Mathematik auch Prof. Werner Kuich geehrt wurde. Vor allem die mindestens zehn Burschenschafter mit Wichs (Brustband) und Deckel (Burschenschafterkappe) im Gebäude waren vielen Studierenden aufgefallen. Wir haben schnell ein Transparent mit den knappen Worten „Burschis Raus“ gemalt und ein paar Aktivist/inn/en zur Hilfe gerufen. Als die Ehrung in einen Buffetempfang überging haben wir Sprüche wie „Sexistisch, Rassistisch, Ekelhaft – Das ist die Deutsche Burschenschaft“ gerufen. Später haben wir mit dem Dekan der Fakultät Mathematik und den herbeigerufenen Securities diskutiert was damit endete dass der Dekan wieder zum Buffet und die Securities wieder zum Lift gingen. Es gab keine Übergriffe oder körperliche Auseinandersetzungen außer einer älteren Dame die einem antifaschistischen Fotografen die Linsenblende zerschlagen hat.

Warum haben wir das gemacht? Wir als Roter Börsenkrach stehen für eine kritische Studienrichtungsvertretung und gegen alle Unterdrückungsmechanismen wie Frauenunterdrückung, Rassismus oder LGBTQ-Feindlichkeit. Wir lehnen faschistische Umtriebe, deutschnationale Nazi-Verherrlichung und frauen-ausschließende Männerbünde ab. Genau dafür stehen aber die deutschnationalen Burschenschaften. Wir wollen klar machen dass sie, insbesondere in ihren „Verbindungsfarben“ bei uns an der Universität nicht willkommen sind und wir sie nicht kommentarlos feiern lassen wollen. Bei der Veranstaltung wurden Prof. Kuich und drei andere wegen ihrer 50-jährigen Doktorwürde und nicht wegen ihren politischen Positionen geehrt. Trotzdem wollen wir nicht dass das offene Auftreten von Rechtsradikalen zum Normalzustand wird oder so bleibt. Wir geben Faschist/inn/en keine Plattform für ihre Hetze und ihre rückschrittlichen politischen Positionen, das haben wir aus der Geschichte gelernt.

Wer sind diese deutschnationalen Burschenschafter? Sie verehren noch immer Nazi-Kriegsverbrecher/inn/en und faschistische Theoretiker/inn/en und versuchen aktiv eine Unterdrückung von Migrant/inn/en, nationalen und sexuellen Minderheiten und rückschrittliche Frauenbilder durchzusetzen.
Der geehrte Star des Abends, Prof. Kuich ist so ein Burschenschafter und hat auch für den Propagandaband von Martin Graf, „150 Jahre Burschenschaft“, einen Beitrag geschrieben. Laut dem Ares-Verlag beschäftigt sich sein Kapital vor allem mit der Zukunft der deutschnationalen Verbindungen. Das Magazin Profil schreibt auch, dass er die Nazi-Mythen vom drohenden „Volkstod“ der Deutschen heraufbeschwört. Er hat auch die Hetzveranstaltung „Intelligenz, Bildung und Wissenschaft“ mitorganisiert bei der er laut Harald Walser darüber sprechen wollte, wie Intelligenz vererbt würde und was für Auswirkungen das für den Volkskörper hat.
„Sein“ Herausgeber, Martin Graf, ist sogar ein noch bekannteres Gesicht in der rechten und rechtsradikalen Szene. Er ist bei der deutschnationalen Burschenschaft Olympia aktiv die wegen ihren Nazi-Umtrieben auch schon mal verboten war. Der ehemalige Dritte Nationalratspräsident (FPÖ) beschäftigte immer wieder Burschenschafter und Neonazis als parlamentarische Mitarbeiter/inn/en die auch an Angriffen auf Linke beteiligt waren.

Wie waren die Reaktionen? Mehrere Teilnehmer/inn/en kamen auf uns zu und sprachen uns ihre Solidarität und Unterstützung aus. Sie empfanden es als unangenehm mit Faschist/inn/en zu feiern (machten es aber nebenbei trotzdem), uns wurde auch berichtet dass bei der Ehrung von Kuich Einzelne den Saal verlassen hätten. Nach der Aktion sagten uns auch Studierende, dass sie es gut finden wenn etwas gegen die Rechtsradikalen gemacht wird. Der Dekan der Fakultät Mathematik erklärte uns recht laut dass er die Aktion falsch fände, die Burschenschafter aber auch ablehnen würde. Er wies aber die Security-Kräfte nicht an, uns zu vertreiben oder die Polizei zu rufen. Die Burschenschafter selbst zogen recht schnell ab und nahmen noch rasch Band und Deckel ab, bevor sie nach Hause gingen. Die Botschaft dürfte angekommen sein.

weitere Links:

http://www.profil.at/home/martin-graf-buch-burschenschaften-262750
http://haraldwalser.at/fpoe-rassenlehre-reloaded-oder-wenn-unbeteiligte-ueber-intelligenz-schwadronieren/
http://haraldwalser.at/martin-graf-rechtsextremismus-und-kein-ende-5761673/

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